Bauernhoftagebuch

Hier berichte ich über meine Erfahrungen während einem freiwilligen Praktikum auf einem kleinen brandenburger Bauernhof vom Frühjahr bis Herbst 2011.

Der Hof

Und zwar handelt es sich bei diesem Hof um einen kleinen Familienbetrieb, der von seinen insg. 25ha derzeit nur 5ha selbst bewirtschaftet. Schwerpunktmäßig wird eine Vielzahl verschiedener Gemüse sowie etwas Obst und Kräuter angebaut, sowie Luzerne und Getreide als Futter für die eigenen Tiere (6 Schweine, ~ 40 Hühner, knapp 15 Kaninchen sowie insg. 100 Enten und Gänse). Der Betrieb ist nicht bio-zertifiziert, außer Kartoffeln und Getreide wird aber alles ökologisch, dh. ohne Spritzmittel- und Mineraldüngereinsatz angebaut. Der Rest integriert, d.h. es wird nur bei Überschreiten bestimmter Schadschwellen eingegriffen. Alle Tiere werden artgerecht gehalten. Die Schweine werden wie auf einem Biobauernhof frühestens mit 1 Jahr geschlachtet, Enten und Gänse nur auf Vorbestellung für Weihnachten großgezogen (werden also etwas mehr als 1/2 Jahr alt), ebenso die Kaninchen. Die Hühner werden vorrangig wegen der Eier gehalten.
Alle hofeigenen Produkte finden vor allem über den eigenen, fast täglich geöffneten, Hofladen ihren Absatz, sowie über den kleinen Regionalladen "Krumme Gurke" in Eberswalde.
Im Hofladen sind auch selbstgekochte Marmeladen, Kräuterliköre sowie das Fleisch der eigenen Schweine zu finden sowie aus der Region zugekaufter Käse und Honig und im zeitigen Frühjahr auch etwas Gemüse.
Der Mammut-Teil der anfallenden Arbeiten wird von Babette gestemmt, unterstützt von ihrer jüngsten Tochter, ihrer Schwiegermutter und nun auch mir. Abends greift dann auch der Vater noch zur Mistgabel oder schwingt sich auf den Trekker und legt Kartoffeln in den Acker.

04. Mai 2011 - der erste Tag

Frühs um 8 stand ich auf der Matte. Babette und Jule waren schon am Spargelstechen. Insg. 10 Reihen, davon drei erst in jüngerer Vergangenheit angelegte, sind je nach Witterung spätestens nach 2-3 Tagen nach neuen weißen Spargelstangen abzusuchen, die kurz zuvor die Erdoberfläche durchbrochen haben. Und Spargelstechen schaut viel leichter aus als es tatsächlich ist. Werde die nächsten Wochen jeden Tag noch oft genug die Gelegenheit haben, mich in die Feinheiten davon reinzufuchsen.

Anschließend versorgten wir die Tiere mit Futter - Getreideschrotbrei für die Schweine, Körner für die Hühner, Gras und Heu sowie trockenes Brot für die Kaninchen. Letztere bekamen ihr Futter aber erst nach dem direkt anschließenden Ausmisten.

Nach dem Mittagessen säten wir vorgequollene Samen von Wicken und Winden in Töpfen aus und pflanzten zum Anschluß noch ein paar Sträucher im Garten auf dem Dorfanger.
Heute war schon gegen 16 Uhr Feierabend, da Babette anschließend noch wegen ein paar Lieferfahrten unterwegs war.

Die erste Woche

Weil ich grad hundemüd bin von den vergangenen langen Arbeitstagen auf dem Hof, hier nur in Kürze, welches Spektrum an Tätigkeiten in den letzten Tagen so anfiel: Soviel für heute.

11. Mai 2011

Heute wars schon ab dem frühen Morgen richtig schwül-warm. Über Nacht waren wieder Massen von Spargel aus dem Boden herausgewachsen, so dass wir ne gute halbe Stunde länger mit dem Stechen beschäftigt waren als in den letzten Tagen.
Von der täglichen Routine abgesehen stand heute Steinesammeln aufm Sommerhafer-Schlag aufm Plan. Miit dem Sinn und Zweck, die Hinterlassenschaften der Gletscher daran zu hindern, bei der Ernte die Mähdrescher unnötig zu demolieren - da kommt man wesentlich billiger weg, wenn man im Frühjahr den Sprit für den Trekker investiert und das Zeug einsammelt als im Spätsommer teure Reparaturen zu provozieren. Nebenbei entstehen so auch neue - naturschutzfachlich wertvolle - Lesesteinhaufen (europaweit geschützt als sog. FFH-Lebensraumtyp) und ich durft nach Jahren auch mal wieder selbst mitm Trekker übern Acker tuckern... :-)

In der Mittagspause dann im Haferstroh aufm Heuboden probegelegen - werde dort mein Quartier für die nächsten Monate einrichten.

Da für den Abend Regen vorhergesagt war und wir diese Woche noch u.a. Salat und Kohlrabi setzen wollen, fuhren wir am Nachmittag nochmal mit dem Trekker los um die Pflanzlöcher dafür vorzubereiten, damit sich in ihnen schonmal ein Großteil des Wassers sammeln kann (der Boden ist derzeit furztrocken). Diesmal hatten wir dafür eine Art Spaten/Schaufelmaschine im Schlepptau, - muß nochmal nachfragen wie die genau heißt - jedenfalls befinden sich auf einer quer zum Trekker hängenden Stange zwei Schaufelräder - mit der anno dazumal die Löcher fürs Legen von Kartoffeln gestochen wurden.
Meine Aufgabe war es dabei, hinten auf dieser Stange zu stehen und aufzupassen, dass die beiden Schaufelräder zwischen den Trekkerspuren blieben bzw. sie ggfs. über Gewichtsverlagerung vom "Ausbüchsen" abzuhalten. :-)

12. Mai 2011.

Das heutige noch nich alltägiches Highlight war das Kochen des Gelees aus dem Löwenzahnblütenkaltauszug. Sprich 1 bottich voll Blüten abgeseiht, dann zusammen mit etwas ausgepreßtem Zitronensaft und Gelierzucker (2:1) aufgekocht. Waren knapp 6 Liter, dafür verwendeten wir insg. 4,5kg Gelierzucker. Meinem Geschmack nach hätte es etwas weniger davon sein dürfen, oder in Kombination mit nem zuckerfreien Geliermittel, da es so recht süß geworden ist, aber es gibt lt. Babette eine gesetzliche Vorschrift, wonach ein Fruchtaufstrich nicht weniger als 65 w% Zucker enthalten darf um sich Gelee nennen zu dürfen. Müsste echt nochmal dieses absurde Ding namens Konfitürenverordnung duchschmökern... Frage mich jedenfalls was der Sinn dahinter sein soll - evtl. die Gewährleistung einer gewissen Mindesthaltbarkeit?

Noch n kleiner Lerneffekt: Gelees und Marmeladen darf man nur verkaufen, wenn man nachweisen kann, dass man diese an einem Ort mit abwischbaren Oberflächen geköchelt und abgefüllt hat. Sonst gibts u.U. Ärger mit den Kontrollstellen.

Noch was: ungestempelte Eier dürfen ausschließlich nur auf genau dem Grundstück verkauft werden, wo auch die Hühner dazu gehalten werden. Sprich noch nicht mal an nem andren Fleck im selben Ort oder gar auf dem Markt. => Als Verbraucher besser nie ungestempelte Eier kaufen, außer direkt an der Haustür des Erzeugers - denn sonst läuft man ganz schnell Gefahr, dass z.B. der Verkäufer auf dem Wochenmarkt z.b. von billig eingekauften Käfigeiern einfach den Stempel abgewaschen hat und sie als Freilandeier weiterverkauft...

Heut Abend muß ichnun noch Nachtschicht schieben um die auf dem Hof benötigten Siebensachen zusammenpacken und mein Zimmer übergabetauglich zu machen, damit mein Untermieter morgen einziehen kann.

14. Mai 2011: freilaufende Schweine und zwei kleine Gesellschaftsstudien

Entwurf

Auch heute - trotz Wochenende wieder ab frühs um 7 Spargel gestochen, 1,5h lang. Langsam hab ich den Dreh raus, aus Spargel-Stochern wird nun auch bei mir zunehmend Spargel-Stechen. Sprich man findet dann die unteren Bereiche der Sprosse immer öfter gleich auf Anhieb. Bin zwar nach nun nach 8 Tagen üben immer noch nur halb so schnell wie Babette und ihr Mann, aber die beiden machen das ja auch schon jahrelang.
Spargelstechen ist gemeinhin als nicht gerade rückenschonende Tätigkeit bekannt. Doch es gibt da ein paar kleine Tricks, die das Leben leichter machen. Sich beim Stechen zwischendurch hinknien entlastet und anschließend zwei benachbarte Spargeldämme abwechselnd wieder mit der Plane zudecken geht einfacher als einen nach dem anderen, der Rücken wird abwechselnd belastet und schmerzt dadurch weniger.

Grünspargel ist übrigens ne ganz andere Spargelzüchtung als weißer Spargel. Sprich letzteren einfach nicht abgedeckt wachsen lassen, ergibt geschmacklich kein so gutes Ergebnis wie direkt Grünspargel zu pflanzen. Letzteres ist übrigens sehr arbeitsintensiv, weshalb Spargelkulturen so lange genutzt werden wie möglich. Spätestens ab Ende Juni unterlässt man darum auch die weitere Ernte, weil dies die Pflanzen sonst nur vorzeitig auslaugen würde. Die über den Sommer überirdisch wachsenden Sprosse tanken ihre Energievorräte dann wieder auf. Grünspargel ist übrigens geschmacklich und ernährungsphysiologisch hochwertiger als Weißer Spargel. Beide lassen sich übrigens auch sehr gut roh (geschält) wegknuspern.

Anschließend hab ich heut der Schwiegermutter beim Vorbereiten des Spargels für den Hofladen über die Schulter geschaut und dabei beschlossen, rohe Spargelabfälle für meine Bacheloritis-Versuche zu verwenden, weil grad in großen Mengen und frisch in Bio-Qualität verfügbar und von der chem. Zusammensetzung schön homogen. Und im Gegensatz zu den verschiedenen hier anfallenden Sorten Tiermist auch ohne vorhergehende Milchsäuregärung oder Lagerung hygienisch unbedenklich und für Regenwürmer unbedenklich.

Nach dem Füttern stand heute das Ausmisten der Schweine und Hühner auf dem Plan. Die Hälfte des Mists wurde dann nachmittags gleich noch eingegrubbert.
Das war ein bild für die götter, als die zwei kleinen schweine (ca 3monate alt) und die großen schweine während dem misten auf dem hof herumturnten (die großen jedoch nur im hühnerrenner). die kleinen mußten wir erst überzeugen dass außerhalb des stallgebäudes keine Lebensgefahr für sie besteht. In diesem haben sie nämlich ihre vertraute box - zu den großen kann man sie leider nicht mehr dazusetzen, da sie keine chance hätten sich in deren rangordnung zu behaupten). nach dem misten war es dafür umso schwieriger sie wieder in den stall hineinzulotsen. Wie sie es genießen, mit dem Schlauch abgespritzt zu werden - kommen angerannt, halten ihren Rüssel direkt in den Wasserstrahl und fangen an zu prusten...

Nachmittags haben wir noch roten Kohlrabi, Eisbergsalat, Weiß- und Rotkohl, Wirsing und Knollensellerie gepflanzt. setzlinge aus gärtnerei im Nachbarort.

Heut hab ich zudem erstmals Kundschaft im Laden mit bedient. 3 berliner Frauen, wochenendausflug auf durchreise. Sie waren die abnehmer der ersten drei gläser löwenzahngelee und sehr interessiert daran wie man es herstellt. im prinzip ists ja nur ein Äquivalent zum Holunderblütengelee. Im weiteren Gespräch wegen warum denn kein einfacheres leben führen, dafür aber zufrieden und glücklich sein, statt ständig neuesten trends und konsumtierraden hinterherzuhecheln - kam als Kernargument die Angst sonst als Außenseiter dazustehn zum Vorschein. Mein egenargument: eigenes soziales umfeld durch im passenden augenblick gezielt eingestreute fragen bzw bemerkungen für dieses thema sensibilisieren, zum nachdenken bzw reflektieren des eigenen verhaltens anregen, die damit verbundenen kausalketten beleuchten und handlungsalternativen andeuten.

passend zum thema ein widerspruch den ich hier von tag zu tag immer deutlicher wahrnehme: bei anbau von gemüse, obst und kräutern wird hier sehr auf die qualität der ernteprodukte geachtet - dies spiegelt sich auch im sortiment des hofladens wieder. doch bei der eigenen ernährung (werde hier komplett mitverpflegt) scheint dieses bewußtsein noch nicht sehr weit gediehen zu sein. stattdessen wird bei lidl und aldi eingekauft und es kommt oft totes Tier (eben nicht maßgeblich von den eigenen, sondern das aus dem supermarkt, und eben nicht bio) und/oder hochverarbeitetes auf den Tisch... Finde ich irgendwie inkonsequent. Werde dies in einem passenden Moment mal zur Sprache bringen. Denn in den bisherigen Gesprächen kam schon die grundlegende haltung zum vorschein, dass man eigentlich möglichst auf saisonale und regionale produkte zurückgreifen sollte. so mokierte sich babette zb. über einen spargelverkäufer aus dem havelland, der neuerdings einen stand beim supermarkt im nachbarort aufgebaut hat und seinen spargel als "täglich frisch vom feld" anpreist...
was evtl eine große rolle spielt ist, dass es meist die schwiegermutter ist, die mittags für alle kocht. weil alle anderen in der zeit anderweitig beschäftigt sind.

Die dritte Woche (Entwurf)

- Seit Montag neue kollegin Adriane, sie arbeitet 2-3h pro tag mit und ist mir sehr sympathisch.
- Wildgemüseernte in Erdbeerreihen, dabei Löwenzahnwurzeln für Köwenzahnkaffee eingesammelt, Jäterei v.a. direkt im Anschluß ans Spargelstechen wegen dauerhaft gebücktem Stehen sehr anstrengend für den Rücken. Erdbeerblüte schon zur Hälfte durch, die ersten Früchte werden schon leicht rosa, daher höchste Eisenbahn um noch vor der Fruchtreife mit Strohhäcksel mulchen zu können. Erste Salate und Frühkartoffeln auch bald soweit
- Löwenzahngelee ist nun endlich fertig etikettiert.
- 30 verschiedene Kürbissorten gesät. 2,5m x 1m Abstand zwischen den Pflanzen; bewährte Reihen- und sortenmarkierung mit von Folientunneln zweckentfremdeten langen dünnen Metallstäben, auf die die Saatguttüten aufgepiekt werden. Anfangs lustiger Anblick, der im Herbst großes Rätselraten erspart, v.a. bei den äußerlich teils recht ähnlichen Sorten.
- tierkindernachwuchs am freitag: hühnerküken geschlüpft, hasenkinder geboren, 2 8 wochen alte katzenkinder eingezogen
- Samstag früh: die zwei jüngsten schweine haben sich während dem ausmisten wieder draußen ausgetobt. sie waren total energiegeladen und übermütig. Diesmal war meine Kamera aber griffbereit.
- Samstag tagsüber: traditionelles Backofenfest im dorf. am Stand aufm Fesplatz die selbstgemachten Köstlichkeiten vom hofladen erfolgreich unters Volk gebracht, zwischendurch die übers Dorf verstreuten Feldsteinbacköfen angeschaut.
- freitag Kräuterbutter zusammengematscht.
- Elektrozaun um Hofflächen geplant um Wildschweine dieses Jahr endlich vom umpflügen v.a. der Kartoffelfelder abzuhalten
- 15mm Niederschlag in der Nacht bedeutet beim hiesigen Boden (Tieflehmfahlerde): aus Spargelstechen wird am nächsten Morgen ne regelrechte Schlammschlacht.

- Ernährung - die Zweite: Wildkräutersalat-Test und Spargelstricknadeln. Begebe mich immer mehr in direkte Grünfutterkonkurrenz zu den Kaninchen. :D
Hab in den letzten Tagen immer mehr Heißhunger auf mehr Abwechslung, frisches Grün, Vitamine und Ballaststoffe auf dem Teller entwickelt. Um also die hier noch tolerierten Nischen dafür auszuloten (und dabei aber keinem auf den Schlips zu treten), wollt ich am Donnerstag die möglichen Reaktionen meiner hiesigen Mitmenschen auf ne große Schüssel Wildkräutersalat kennenlernen... Eineinhalb davon haben ihn bestanden. Der Rest ist noch nicht angetreten. ;-)
Und unter Spargelstricknadeln sind stricknadeldünne Spargelstangen zu verstehn, die nach meinen bisherigen Beobachtungen beim Waschen sonst eh aussortiert würden und dann auf dem Misthaufen landen. Nur weil sie zu dünn zum Schälen sind. Das braucht man bei denen aber auch gar nicht sondern kann sie einfach roh wegknuspern. Sie schmecken übrigens so ähnlich wie frisch aus der Schote gepute grüne Erbsen. Für mich sind sie nun noch bis zum Ende der Spargelzeit am 24. Juni jedenfalls ne willkommene tägliche Bereicherung.

Was in der Zwischenzeit (4.-6. Woche) geschah (Entwurf)

- am 30. Mai zogen nun auch die jungen Enten und Gänse auf dem Hof ein. Sie werden hier eine schöne Zeit verbringen bis ca Anfang Dezember, wenn es wieder weihnachtet und so einige Mitmenschen Heißhunger auf Braten entwickeln... Vorbestellt sind sie in diesem Jahr alle schon seit Januar (so früh wie noch nie bisher)
Sie waren die erste Woche hier nur im Stall, seit Montag bekommen sie jedoch schon täglich mehrstündigen Freigang auf dem Innenhof und bald, wenn sie groß genug sind, dürfen sie tagsüber ganz raus, auf die Weide.

- Die kleinen Kaninchen hoppeln mittlerweile auch schon flink um ihre Mutter herum, beim Füttern muß man seither ganz schön aufpassen, dass sie nicht ausbüchsen...

- Seit knapp 2 Wochen sind die beiden Glucken mit ihrer Kükenschaar ebenfalls auf dem Hof unterwegs, turnen auf dem Misthaufen herum, die Küken sind putzmunter, bekommen schon die ersten echten Federn und nehmen alles ganz genau unter die Lupe.

- Die zwei kleinen, nun etwa 10 Wochen alten Katzenkinder (Minka und Mohrchen) durften mittlerweile auch schon auf dem Hof herumturnen; jedoch meinte Minka am Montag auf die große Birke raufklettern zu müssen - das Taubennest weiter oben war wohl zu verlockend. Doch der genau deswegen angebrachte Stammschutz (aus Pappe) wurde ihr zum Verhängnis. Denn er entpuppte sich für sie als Einbahnstraße als sie wieder herunterklettern wollte. Ich kam ganz kurz davor gerade erst aus dem Haus heraus und just in dem Moment als ich realisierte, woher ihr Hilfeschrei-Maunzen kam, sah ich sie auch schon fallen... Leider schaffte sie es nicht nach Katzenmanier auf ihren Pfoten zu landen, sondern prallte mit dem Kopf zuerst auf den gepflasterten Boden... Und lag zusammengekrümmt und zitternd da. Wir sind sofort zum Tierarzt: Diagnose Schädel-Hirntrauma und der behielt sie auch gleich da über Nacht. Am nächsten Tag durfte sie wieder heim, sie hat sich wieder etwas aufgerappelt, allerdings noch starke Gleichgewichtsstörungen und kann kaum gerade laufen. Ich hoffe das beste für sie...

- Am Himmelfahrtsfreitag begann die Erdbeerernte. D.h. frühs gehts nach dem Spargelstechen erstmal noch in die Erdbeeren, sprich 1100m nach vollreifen Früchten absuchen...

- Letzte Woche haben wir auch eine erste Charge Holunderblütengelee und -Saft angesetzt. Ist lecker geworden.

- Seit der letzten Maiwoche hab ich nun auch nen Schreibtisch auf dem Heuboden. :)

- Seit Mitte Mai gehört Jäten zum täglichen "Vormittagsblock". Leider heißt das aktuell auch, dass ich beim Versorgen der Tiere frühs erstmal nicht mehr dabei bin. Allerdings hat die Jäterei auch durchaus ihre positiven Seiten: nämlich ganz viele kleine wichtige Nebenbeibeobachtungen - wie sich die Artenzusammensetzung beim Wildgemüse kleinräumig ganz schön schnell ändern kann und wie sich die ganzen Jungpflanzen entwickeln, wie stark ausgerupftes Wildgemüse binnen 1-2 Tagen an der Sonne zusammenschrumpft, wie die Wurzeln der einzelnen Pflanzenarten aussehen (z.B. Pfahl- vs. Flach- und Herzwurzler, Rhizompflanzen)... Man kann zwischendurch mal wieder bissl Wildgemüse futtern und hat nebenbei auch ganz viel Zeit um über Gott und die Welt nachzudenken...

- Letzten Donnerstag erfuhr ich zufällig, dass der Vertrag meiner Kollegin Adriane Ende nächster Woche ausläuft... Schade...

Zwischenstand Ende Juni

Wegen eines Trauerfalls in der Verwandtschaft fuhr ich Mitte Juni für etwa 1,5 Wochen zu meiner Familie.

Die Spargelzeit ist um. Genau genommen seit dem 22. Juni, sprich zwei Tage eher als ursprünglich geplant, weil ihr Ende in eine sehr regenreiche Witterung fiel, so dass die Wurzeln allen Grünzeugs wieder ordentlich nach Luft japsten (die Gemüseäcker standen partiell unter Wasser). D.h. weil der Boden dann weich wird wie Pudding, wärs unmöglich gewesen dann noch mit dem Trecker über die Fläche zu fahren, mit dem Gerät hintendran, das die Spargeldämme auseinanderzieht. Erst im nächsten zeitigen Frühjahr werden sie dann wieder aufgehäufelt. Das hat u.a. den großen Vorteil, dass der Boden dann zum Beginn der neuen Saison schön locker ist, was das Stechen wesentlich erleichtert. Und Wildkräuter haben nebenbei etwas schlechtere Karten.

In der Konsequenz heißt das nun aber auch, dass der Vormittag dadurch seinen bisherigen schon fast korsettartigen Rahmen verliert. Der Mann meiner Chefin hat derzeit auch Urlaub, dh. er arbeitet währenddessen den ganzen Tag hier auf dem Betrieb mit, statt auf dem seines Arbeitgebers. D.h. auch, wir alle fangen derweils nun frühs erst um 8 statt um 7 an.

Seit der Arbeitsvertrag von Adriane auslief, bin ich wieder die einzige nicht-familieninterne Aushilfe hier. Nur die tägliche stundenlange Jäterei blieb mir erhalten... Auf der einen Seite wird sie mir schon langsam zuviel, andererseits lässt sich dabei aber auch - sofern man ne kleine Wissenschaft draus macht - ne Menge zur Ökologie, speziell bzgl. Konkurrenz, Entwicklungsgeschwindigkeit, Ausbreitungsstrategien, etc. der verschiedenen Wildkräuter beobachten und lernen. Und man ist danach in der Lage, die Arten rein anhand ihrer Stengelbasis zu bestimmen. Das ist ganz hilfreich, wenn man z.b. um den Kulturpflanzen so schnell wie möglich Luft zu verschaffen, erstmal nur dem dominantesten Wildgemüse zuleibe rücken will. Oder man kriegt ein Gefühl dafür, welche Wildkräuter subito aus dem Boden raus sollten, wenn er gerade vom Regen etwas aufgeweicht wurde, die sonst bei Betonboden nur ebenerdig abreißen um danach gleich wieder neu auszutreiben... Der Teufel steckt mal wieder massenhaft im Detail...

Die Erdbeerernte neigt sich ebenfalls ihrem Ende zu, u.a. führte die naßkalte Witterung der letzten Wochen dazu, dass einige Früchte zu schimmeln begannen.
Etwa ein Drittel der Zwiebeln vertrugen die Nässe an den Wurzeln ebenfalls schlecht, so dass sich Mehltau auf ihren Blättern breit machen konnte. Hoffe mal es wird wieder etwas trockener, damit sie sich etwas erholen können.
Die Johannisbeeren sind nun schon so reif, dass sie in den nächsten Tagen geerntet werden könnten.

Minka, die kleine Katze, die vom Baum gefallen war, hat sich sehr gut erholt, sie hält zwar ihren Kopf immer noch ziemlich schief, aber hat ihr Gleichgewicht wieder im Griff und darf zusammen mit ihrer Schwester auch wieder draußen herumtollen. Nur ist sie nun etwas kleiner als ihre Schwester...

Die Hühnerküken sind doppelt so groß wie vor meiner Abreise, haben nun alle schon ihr komplettes Gefieder. Eine der beiden Glucken hat sie auch schon verlassen und begann schon wieder neue Eier zu legen, während die andere Glucke nach wie vor mit den Kleinen den Misthaufen auseinanderscharrt. :)

Die Enten und Gänse sind nun tagsüber hinten auf einem eingezäunten Stück Wiese, mit dem Nebeneffekt, dass sich ihre Tretminen ebenfalls dorthin verlagern statt wie bisher im Hof herumzuliegen.
Sie sind nicht ganz so stark gewachsen wie die Hühnerküken, ihr Gefieder ist nun aber ebenfalls schon fast komplett. Aber ein extrem schreckhaftes Volk sind sie nach wie vor...