Tätigkeiten im FÖJ - Sommer und Herbst 2007

2.-4. Mai + 8., 11., 12. und 14. Juni: E-Befischungen der Werra, Schleuse und Hasel zwecks Erfolgskontrolle für das "Modellvorhaben Vernetzung und Verbesserung aquatischer Lebensräume - Umsetzung im Werra-Einzugsgebiet". (Koordiniert vom Staatlichen Umweltamt Suhl)
Im Anschluß jeweils Digitalisieren der Fangdaten und deren Aufbereitung für die Bewertung durch "FiBS".

14.-16.Mai + 29.Mai-01.Juni: Kartieren der Botanik in und am Wasser der Bäche und Gräben in der Gemeinde Behringen (WAK) zusammen mit einem Arbeitskollegen, der die Strukturgüte dieser Gewässer kartiert hat.
Hintergrund: Istzustandserfassung für eine Gewässerentwicklungsplanung. Konkret: Mal bei sengender Sonne, mal strömendem Regen bewaffnet mit Bleistift und Klemmbrett, eingepackt in Watstiefel an den Bächen entlangzuwatscheln, dabei durch bauchhohe Vegetation auf Gewässerrandstreifen zu staken, ständig Böschungen hoch und runter zu kraxeln und sich ggfs. beim Laufen im Gewässerbett mit dem Klemmbrett wie mit einer Machete durch die Botanik zu schlagen. Und dabei natürlich immer fleißig aufzuschreiben was da grad schönes grünt und blüht, auch wenn sich schon nach den ersten 50m in Sachen Artenzusammensetzung und rel. Häufigkeiten nicht mehr wirklich was ändert... Auffällig: Sobald die Bäche aus dem engen Korsett ihres Trapezprofils entfliehen konnten, ging die Artenzahl innert weniger Meter rasant in die Höhe. Zudem hatte ich den Eindruck, dass es einen gewissen Zusammenhang zwischen der Einleitung konzentrierter Abwässer und dem Vorkommen bzw. den Abundanzen einzelner Helo- und Hydrophyten zu geben scheint.

Ab 6. Juni: Weiterarbeiten am Biomasseprojekt: Erste Berechnungen der Biomasse [kg/ha] von Fischpopulationen anhand der Fangdaten bisheriger Befischungen. Da bis jetzt die Daten von ~ 100 Probestellen vorliegen, bedeutet das erstmal Unmengen an Fleißarbeit, da für jede Excel-Datei die selben Vorgänge durchgeführt werden müssen. Heute (7. Juni) waren erste Versuche, dieses "Schema F" mithilfe von Makros zu automatisieren, geglückt. *riesigdrüberfreu* Will nun versuchen, so viele wie möglich von diesen "Fleißarbeiten" mittels Makros zu "entmühsamen". Das bedeutet andererseits, dass solche Aufgaben nun endlich mal einen Reiz bekommen, weil ich wieder was zum Basteln gefunden hab. ;-)

09. Juni: Teilnahme an der Hauptveranstaltung des diesjährigen GEO Tag der Artenvielfalt in Crawinkel; diesmal zusammen mit meinem Chef als Mitglied seines "Expertenteams"; wir wiesen mittels Elektrobefischung nach, dass es sich beim Lütschebach um einen der (wenigen) Bäche am Rand des Thüringer Waldes handelt, in denen noch ausschließlich leitbildkonforme Arten vorkommen und das auch mit den geforderten Abundanzen. Ursache war hier offenbar jahrelange Nichtbewirtschaftung.

Ein Artikel und ein paar Bilder von diesem Tag sind auf der GEO-Homepage online. Ein ausführlicherer Bericht, u.a. mit Bildern jedes Expertenteams war in der Beilage zur Septemberausgabe 2007 von GEO zu sehen.

25.-29. Juni: Mein 4. und gleichzeitig auch letztes Seminar. Zum krönenden Abschluß waren wir die erste Wochenhälfte in der landschaftlich wunderschönen Rhön (westl. von Meiningen); Donnerstag und Freitag erkundeten wir dann den Oberlauf der Werra von Trostadt bis kurz oberhalb Einhausen mit dem Kanu. Hat riesig Spaß gemacht (war beinah das schönste Seminar von allen, aber nur beinah), evtl. auch weil von den insg. ca 30 Leuten unsrer Seminargruppe fast die Hälfte (sprich die desinteressiertesten) gar nicht erst erschien und es dem Rest freigestellt war, ob er zum Kanufahren mitfährt oder nicht. So waren wir an den letzten zwei Tagen gerade mal noch insg. 10 Leute, von denen aber so gut wie alle mit Freude bei der Sache waren und auch eine riesen Gaudi beim Kanufahren hatten. :-)
Schade eigentlich, dass das letzte Seminar schon vorbei ist... U.a. weil ich dadurch auch die paar Leut aus unsrer Gruppe, mit denen ich mich gut verstand, höchstwahrscheinlich so schnell nicht wiedersehn werd; und weil jedes Seminar wieder interessante Erfahrungen/Erlebnisse mit sich brachte.

Juli 2007: Das Biomasse-Projekt geht in seine Endphase - Mittels weiterer Makros war es nun möglich die Biomasse für jede Probestelle mit verhältnismäßig geringem Zeitaufwand zu berechnen und die Daten danach in 1 Datei zusammenzufassen. Anschließend erfolgte eine statistische Analyse auf Zusammenhänge zwischen der Biomasse und anderen zu den Probestellen erhobenen Faktoren mithilfe der Spearman Rank Order Correlation.
Einige meiner Vermutungen wurden dabei erfreulicherweise bestätigt... :-)

15. August bis 14. September 2007: Und erneut laufen wir beim Befischungsmarathon fürs thüringenweite WRRL-Monitoring mit. Dieses Jahr sinds zum Glück nur etwa 40 Probestellen (letztes Jahr dagegen insg. 60) bei denen bis auf eine überall watend befischt wird. Hab dabei auch wieder viele liebe Leute kennengelernt. Interessante Erfahrungen waren bisher z.B., dass v.a. abwasserbelastete total verbaute Gräben (z.B. im Thüringer Becken) die reinsten Wundertüten in Sachen Artenzusammensetzung sein können (z.B. ein sich offensichtlich selbst reproduzierender Elritzenbestand bei nem Leitwert von ca 1500 µS/cm, pH 9,0 und total verschlammter Sohle! *staun*), Gründlinge richtige Dreckspatzen sein können, aus einer "Fischsuppe" von Stichlingen und jungen Groppen die Länge jedes einzelnen Exemplars zu messen etwas weniger lustig ist (pieks), und man sich beim Aale-messen möglichst vor deren Maul in Acht nehmen sollte, da sie einen sonst ganz schön zwicken können. In der unteren Helbe (Kyffhäuserkreis) schwimmt zudem das gleiche Meersalat-ähnliche Grünzeug wie in der Werra unterhalb der Einleitungen von Kali&Salz.

Nach diesem Befischungsmarathon waren es leider nur noch 3 Tage bis zu meinem Umzug, damit dem Ende des FÖJ...

Insgesamt fand ich es ein sehr spannendes, lehrreiches und unheimlich abwechslungsreiches Jahr. Aus meiner heutigen Perspektive (Januar 2008) einfach das Beste, was mir damals passieren konnte.