Wer bin ich?

Die Frage könnte genauso gut lauten: Wer oder was ist der Mensch? Auf diese und die vielen anderen Fragen muss jeder für sich selbst eine Antwort finden - eine allgemeingültige Lösung, die wir z.B. im Lexikon nachschlagen könnten, gibt es nicht. Und das ist auch gut so. Ich finde, dass es wichtig ist, sich selbst mit den existenziellen Fragen im Leben auseinanderzusetzen. Um dadurch einzelne Orientierungspunkte für seinen Lebensweg zu finden.

In Jostein Gaarders Buch "Sofies Welt" setzt diese Frage einen Prozess in Gang, der, unterstützt durch Albertos Philosophiekurs, Sofie die Augen für die Fragen nach der "wirklichen Welt" öffnet. Er vergleicht unser Dasein auf der Welt treffend mit einem großen Kaninchen, das im Zuge eines Zauberkunststücks langsam aus einem riesigen Zylinder gezogen wird. Und wir Menschen leben quasi unten, zwischen den Haaren des Kaninchens, wo wir es uns wohlig warm und gemütlich gemacht haben. Nur die Philosophen unter uns haben die Anstrengung auf sich genommen und sind bis zu den Haarspitzen emporgeklettert, belohnt durch den Blick in - und damit auch dem Wissen um - das Universum, und unseren Platz darin.

Aber statt mich an dieser Stelle in der Philosophie zu verlieren, hier ein kurzer Abriß zum äußeren Rahmen meines Lebens:

Bildle Ich heiße Sarah und komme ursprünglich aus einem südbadischen Dorf unweit des Schweizer Kantons Schaffhausen.
Als Antwort auf die Frage: was tun nach der Schulzeit, gerade wenn man sehr vielseitig interessiert ist - bin ich erstmal nach Bayreuth ausgewandert, und lernte dort das Leben als Gecko kennen - und lieben. Dazu gehörte auch der Beginn meines vielseitigen Engagements im praktischen Umwelt- und Naturschutz. Doch konnte selbst dieses mein inneres Bedürfnis die durchs Studium angehäuften theoretischen Kenntnisse endlich auch mal anzuwenden, auf Dauer nicht ausreichend erfüllen. Zudem waren freiwillige Praktika auch während der Semesterferien kaum realisierbar, v.a. wegen der stets sehr kurzfristigen Bekanntgabe von Prüfungsterminen durch die Uni. Und eins meiner damaligen Hauptsteckenpferde, die Gewässerökologie, tauchte in der Lehre gar nicht erst auf. Also fiel im August 2006 schweren Herzens der Entschluß, meine Zelte in Bayreuth abzubrechen - ich sah dort schlichtweg keine sinnvolle Perspektive mehr für mich. Trotzdem waren die 2 Jahre dort keineswegs verlorene Zeit - im Gegenteil!

Im Anschluß zog ich weiter nach Jena, zum FÖJ. Rückblickend zu diesem Zeitpunkt eine der besten Optionen. Endlich konnte ich mein bisheriges Wissen auch weitergehend anwenden und um zahlreiche praktische Erfahrungen im Bereich der angewandten Gewässerökologie erweitern. Gleichzeitig war ich auch ehrenamtlich beim NABU mit aktiv, v.a. in Sachen Wildnispädagogik.

Im Herbst 2007 ging die Reise dann weiter in den abwechslungsreichen und vielfach noch recht naturnahen "Wilden Nordosten Deutschlands". Ich hatte mich für "Landschaftsnutzung und Naturschutz" an der FH Eberswalde entschieden. Aufgrund ihrer Überschaubarkeit (nur ~2000 Studenten) und der im Vergleich zu meinen früheren Erfahrungen recht guten Studienbedingungen gefiel es mir dort anfangs sehr gut. Doch mußte ich immer mehr feststellen, dass in vielen der Teildisziplinen nur sehr oberflächliches Wissen vermittelt wurde. Nur oftmals stecken eben die Teufel im Detail...
Und von je mehr Absolventen ich von deren Erfahrungen im Berufsalltag erfuhr, umso weniger sehe ich mich selbst noch im Bereich des klassischen Naturschutzes arbeiten. Auch eine rein wissenschaftliche Laufbahn strebe ich nicht mehr an. Zu sehr rebelliert außerdem mittlerweile mein Bauch gegen das im Studium eingetrichterte stete theoretische, scheuklappenbehaftete Zerpflücken unserer Umwelt - auf Kosten einer ganzheitlicheren Betrachtungsweise.

Mein Herz zieht mich nun schon seit einigen Jahren hin zur ökologischen, bäuerlichen Landwirtschaft. Auch als Konsequenz aus der Gesamtschau all meiner bisherigen Beobachtungen.
Ohne eigene fundierte praktische Erfahrungen in der Landwirtschaft kann man niemals ernsthaft auf gleicher Augenhöhe mit anderen Landwirten über deren Metier reden - doch gerade ihr Tun hat mit Abstand den größten Einfluß auf den ökologischen Zustand und damit den Lebenswert unserer Um- bzw. besser: Mitwelt, unsrer aller existenzieller Lebensgrundlage.
Angefangen bei der inneren (!) Qualität unserer Lebensmittel (die wiederum maßgeblich unsere Gesundheit beeinflußt), über den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit, Gewässer-/Trinkwasserschutz, hin zur Biodiversität, dem Erscheinungsbild unserer Landschaft, Klimaschutz - sowie mit all dem verknüpft das soziale und auch ökonomische Wohlergehen unserer Gesellschaft.

Darum begann ich mich speziell seit Ende 2009 intensiver praktisch wie theoretisch mit verschiedensten Teilgebieten der Landwirtschaft zu beschäftigen. Dabei blieb ich dann vorwiegend bei dem zentralen Kapitel der verschiedenen Bodenbearbeitungsmethoden und ihrer Wirkung auf die Bodenlebewesen und damit der Bodenfruchtbarkeit hängen:

Von nichtwendender Bodenbearbeitung im Ökolandbau ala Friedrich Wenz (Ecodyn-System), (Wurm-)Kompostierung, Kompost-Toiletten und Pflanzenkläranlagen, Terra Preta (die für mich übrigens nichts anderes ist als ein holzkohlehaltiger Kompost mit darum höherem Dauerhumusanteil - kein Wundermittel/Hexenwerk, wie von so vielen anderen angepriesen), Mulchen, Mischkulturen, Agroforstsystemen bis hin zum Waldgarten.

Gerade bei letzterem trifft all das wieder zusammen, womit ich mich in den letzten Jahren aus innerem Antrieb heraus beschäftigt habe, und es stiftet dabei für mein Empfinden absolut Sinn! Sowohl ökologisch, wie auch ökonomisch und sozial! Zudem gefällt mir daran sehr, so vielseitig gefordert zu werden, sowohl von der Vielzahl der relevanten Themengebiete, wie auch körperlich und geistig, und ich kann dabei vollkommen meiner Freude am "Puzzeln im Kopf" und der anschließenden Umsetzung in die Praxis frönen! :)

Daher suche ich nun nach einer Möglichkeit, an einem landschaftlich schön gelegenen Ort gemeinsam mit Gleichgesinnten selbst einen solchen Waldgarten zu entwickeln und gleichzeitig bei/in diesem zu leben/zu wohnen. Gern irgendwo hier im schönen Nordosten, nicht ewig weit (max ca 10km) von der nächsten Bahnlinie entfernt.

Der Waldgarten wird uns und ggfs auch die nähere Umgebung mit Nahrung, z.T. Baumaterialien sowie div. anderen Rohstoffen versorgen, unser Lebens- und gleichzeitig Erholungsraum sein, in den wir zu verschiedensten Seminaren einladen (z.B. Kräuterwanderungen, Verarbeitung der Ernte und div. Rohstoffen aus dem Waldgarten, div. Naturerlebnisangebote, Waldgartenplanungs- und Planungsumsetzungsworkshops,...).
Gleichzeitig wird sich unter unserem Waldgarten ein wunderbar fruchtbarer Boden entwickeln (weil unsre wichtigsten Kollegen, die Bodenlebewesen, stets genug zu futtern finden) und er wird durch seine hohe Vielfalt an Arten und Strukturen ökologisch sehr widerstandsfähig sein (v.a. durch viel vorbeugenden Pflanzenschutz, der von selbst passiert).
Und obendrein benötigt er nur sehr sehr geringen Energieinput und Maschineneinsatz - v.a. weil wir keinerlei großflächige wendende Bodenbearbeitung mehr machen sowie kaum noch Jungpflanzenanzucht nötig ist, da wir den Fokus auf vorwiegend mehrjährige Arten legen, auch bei den Krautigen.
Dafür benötigt er aber kontinuierlich unsere Aufmerksamkeit und eine gute Beobachtungsgabe. Jedoch ermöglicht er uns auch den Großteil der Stoffkreisläufe, in die wir tagtäglich involviert sind, wieder zu schließen und dadurch unseren Ressourcenbedarf von außen und somit auch unsren Geldbedarf deutlich zu minimieren.

Könntest du dir ein solches oder ähnliches Lebenskonzept für dich ebenfalls vorstellen und/oder kennst einen Ort oder ein Stück Land (je nach Zahl der Leute ab ca 1000m²), wo wir diese Vision gemeinsam umsetzen könnten?

Ja? Dann meld dich bitte unbedingt bei mir! => Kontakt

Das war der Stand Mitte März 2013.

Nun ists Mai 2017 und ich wohne immer noch nicht in einem Waldgarten. Bin vor gut zwei Jahren Mutter geworden, und lebe nun mit meiner Tochter in einer Wohnung wenigstens mit einem gemeinschaftlich genutzten Garten direkt am Haus. Im März diesen Jahres nahm ich zum zweiten Mal an einem ntensiv Wochenendkurs zur Waldgartenplanung teil, diesmal auf dem Permakulturhof Stein-Häger in der Uckermark, der mich sehr motivierte, diesen Traum weiter zu verfolgen.
Gemäß Mark Finegold werde ich erst mal mit kleinen Brötchen anfangen und diese dann ggfs weiterentwickeln. So werde ich mich nach der Elternzeit zunächst selbständig machen, im Bereich Beratung, Planung und Pflege von Nutzgärten - wobei ich so weit wie möglich den Kreislaufgedanken mit einfließen lassen und humusmehrende Methoden attraktiv machen möchte. Mal sehn, was sich daraus dann ergibt.