14. Mai 2011: freilaufende Schweine und zwei kleine Gesellschaftsstudien

Entwurf

Auch heute - trotz Wochenende wieder ab frühs um 7 Spargel gestochen, 1,5h lang. Langsam hab ich den Dreh raus, aus Spargel-Stochern wird nun auch bei mir zunehmend Spargel-Stechen. Sprich man findet dann die unteren Bereiche der Sprosse immer öfter gleich auf Anhieb. Bin zwar nach nun nach 8 Tagen üben immer noch nur halb so schnell wie Babette und ihr Mann, aber die beiden machen das ja auch schon jahrelang.
Spargelstechen ist gemeinhin als nicht gerade rückenschonende Tätigkeit bekannt. Doch es gibt da ein paar kleine Tricks, die das Leben leichter machen. Sich beim Stechen zwischendurch hinknien entlastet und anschließend zwei benachbarte Spargeldämme abwechselnd wieder mit der Plane zudecken geht einfacher als einen nach dem anderen, der Rücken wird abwechselnd belastet und schmerzt dadurch weniger.

Grünspargel ist übrigens ne ganz andere Spargelzüchtung als weißer Spargel. Sprich letzteren einfach nicht abgedeckt wachsen lassen, ergibt geschmacklich kein so gutes Ergebnis wie direkt Grünspargel zu pflanzen. Letzteres ist übrigens sehr arbeitsintensiv, weshalb Spargelkulturen so lange genutzt werden wie möglich. Spätestens ab Ende Juni unterlässt man darum auch die weitere Ernte, weil dies die Pflanzen sonst nur vorzeitig auslaugen würde. Die über den Sommer überirdisch wachsenden Sprosse tanken ihre Energievorräte dann wieder auf. Grünspargel ist übrigens geschmacklich und ernährungsphysiologisch hochwertiger als Weißer Spargel. Beide lassen sich übrigens auch sehr gut roh (geschält) wegknuspern.

Anschließend hab ich heut der Schwiegermutter beim Vorbereiten des Spargels für den Hofladen über die Schulter geschaut und dabei beschlossen, rohe Spargelabfälle für meine Bacheloritis-Versuche zu verwenden, weil grad in großen Mengen und frisch in Bio-Qualität verfügbar und von der chem. Zusammensetzung schön homogen. Und im Gegensatz zu den verschiedenen hier anfallenden Sorten Tiermist auch ohne vorhergehende Milchsäuregärung oder Lagerung hygienisch unbedenklich und für Regenwürmer unbedenklich.

Nach dem Füttern stand heute das Ausmisten der Schweine und Hühner auf dem Plan. Die Hälfte des Mists wurde dann nachmittags gleich noch eingegrubbert.
Das war ein bild für die götter, als die zwei kleinen schweine (ca 3monate alt) und die großen schweine während dem misten auf dem hof herumturnten (die großen jedoch nur im hühnerrenner). die kleinen mußten wir erst überzeugen dass außerhalb des stallgebäudes keine Lebensgefahr für sie besteht. In diesem haben sie nämlich ihre vertraute box - zu den großen kann man sie leider nicht mehr dazusetzen, da sie keine chance hätten sich in deren rangordnung zu behaupten). nach dem misten war es dafür umso schwieriger sie wieder in den stall hineinzulotsen. Wie sie es genießen, mit dem Schlauch abgespritzt zu werden - kommen angerannt, halten ihren Rüssel direkt in den Wasserstrahl und fangen an zu prusten...

Nachmittags haben wir noch roten Kohlrabi, Eisbergsalat, Weiß- und Rotkohl, Wirsing und Knollensellerie gepflanzt. setzlinge aus gärtnerei im Nachbarort.

Heut hab ich zudem erstmals Kundschaft im Laden mit bedient. 3 berliner Frauen, wochenendausflug auf durchreise. Sie waren die abnehmer der ersten drei gläser löwenzahngelee und sehr interessiert daran wie man es herstellt. im prinzip ists ja nur ein Äquivalent zum Holunderblütengelee. Im weiteren Gespräch wegen warum denn kein einfacheres leben führen, dafür aber zufrieden und glücklich sein, statt ständig neuesten trends und konsumtierraden hinterherzuhecheln - kam als Kernargument die Angst sonst als Außenseiter dazustehn zum Vorschein. Mein egenargument: eigenes soziales umfeld durch im passenden augenblick gezielt eingestreute fragen bzw bemerkungen für dieses thema sensibilisieren, zum nachdenken bzw reflektieren des eigenen verhaltens anregen, die damit verbundenen kausalketten beleuchten und handlungsalternativen andeuten.

passend zum thema ein widerspruch den ich hier von tag zu tag immer deutlicher wahrnehme: bei anbau von gemüse, obst und kräutern wird hier sehr auf die qualität der ernteprodukte geachtet - dies spiegelt sich auch im sortiment des hofladens wieder. doch bei der eigenen ernährung (werde hier komplett mitverpflegt) scheint dieses bewußtsein noch nicht sehr weit gediehen zu sein. stattdessen wird bei lidl und aldi eingekauft und es kommt oft totes Tier (eben nicht maßgeblich von den eigenen, sondern das aus dem supermarkt, und eben nicht bio) und/oder hochverarbeitetes auf den Tisch... Finde ich irgendwie inkonsequent. Werde dies in einem passenden Moment mal zur Sprache bringen. Denn in den bisherigen Gesprächen kam schon die grundlegende haltung zum vorschein, dass man eigentlich möglichst auf saisonale und regionale produkte zurückgreifen sollte. so mokierte sich babette zb. über einen spargelverkäufer aus dem havelland, der neuerdings einen stand beim supermarkt im nachbarort aufgebaut hat und seinen spargel als "täglich frisch vom feld" anpreist...
was evtl eine große rolle spielt ist, dass es meist die schwiegermutter ist, die mittags für alle kocht. weil alle anderen in der zeit anderweitig beschäftigt sind.