Wie gerne fressen Regenwürmer milchsauer vergorene organische Küchenabfälle?

Es geht dabei um einen Lösungsvorschlag für alle, die ihre organischen Küchenabfälle (Obst- & Gemüsereste, Milchprodukte, Fischgräten, Fleischreste, Gekochtes) nicht weiterhin in den Restmülleimer werfen wollen, aber auch keine Biomülltonne oder Komposthaufen zur Verfügung haben.
Und denen die übliche Geruchsentwicklung, Keim- und Fliegenbrutstätte (sowohl innerhalb der Wohnung als auch in der Restmülltonne) v.a. im Sommerhalbjahr ein Dorn im Auge ist.

Die Küchenabfälle getrennt zu sammeln und dabei gleichzeitig milchsauer zu fermentieren (=silieren, ähnlich der Sauerkrautherstellung), kann da enorme Abhilfe schaffen. Die Milchsäurefermentation entzieht nämlich einerseits möglichen Krankheitserregern sowie Fliegenmaden die Lebensgrundlage bzw macht ihnen die Umgebung zu sauer. Dadurch entstehen keine übelriechenden Faulgase mehr - und durch den sauren pH Wert werden zusätzlich auch Ammoniak-Ausdünstungen unterbunden.

Dies macht so behandelte Küchenabfälle einerseits auch bei sommerlichen Temperaturen weitestegehend geruchlos und hygienisch lagerbar, andererseits werden sie gleichzeitig durch die Milchsäurebakterien "vorverdaut". Darüber wiederum freuen sich Regenwürmer sehr, die laut mehreren Erfahrungsberichten von Bekannten regelrechten Heißhunger auf milchsaure Küchenabfälle entwickeln sollen. Da Regenwürmer keine Zähne besitzen, brauchen sie eh immer eine ganze Horde tierischer "Helferlein", die ihnen die Nahrung vorzerkleinern (im Komposthaufen sind dies u.a. Kellerasseln, Käfer, Springschwänze, div. Milben, bis hin zu Pilzen und verschiedenen aeroben Mikroorganismen).

Und da Regenwürmer Kalkdrüsen besitzen, können sie damit auch den sauren pH von Küchenabfall-Silage wieder ausgleichen. Natürlich darf man die Regenwürmer nicht "nackig" darauf setzen, sondern gibt die Küchenabfall-Silage als Schicht mit etwas Reifkompost bedeckt oben auf den Kompost drauf, in dem die Regenwürmer drin sitzen. Dann können sie in ihrem Tempo in die Silage reinwandern und sich daran gewöhnen.

Für alle, die daheim keine Wurmkompostkiste aufstellen oder draußen einen Komposthaufen anlegen wollen oder können, wäre optimal, wenn man die zuhause milchsauer vergorenen Küchenabfälle von einem öffentlichen Service abholen lassen könnte, der sie entweder einem Kompostierwerk oder direkt einem interessierten Landwirt aus der Region zukommen lässt. Dieser könnte sie bei sich kompostieren und dann als wertvollen organischen Dünger auf seinen Feldern ausbringen. So käme zumindest ein Teil der Nährstoffe wieder auf den Acker zurück und trüge obendrein noch dazu bei, dessen Fruchtbarkeit (Humusgehalt) zu erhalten.

Ich möchte hier nun verschiedene low-cost/selfmade Milchsäurebakterienkulturen (Sauerkrautsaft, Kanne Brottrunk, Wasserkefir; als nichtkommerzielle Alternativen zu den "Effektiven Mikroorganismen") auf ihre Eignung zur Fermentation von Küchenabfällen mit anschließender Wurmkompostierung testen.

Die genaue Methodik sowie die Ergebnisse meiner Versuche dokumentiere ich an dieser Stelle sobald die Datenerhebung abgeschlossen ist.

erster Zwischenstand, Ende Mai 2017

Ich hab der Einfachheit halber einfach mal mit Kanne Brottrunk begonnen (ausm Drogeriemarkt, Pharma-Regal), den ich in eine kleine Sprühflasche aus Glas gefüllt hab (unverdünnt) und damit einfach mind. jedes zweite Mal, wenn ich was in den Biomülleimer reintu, dessen Inhalt besprühe.
Zusätzlich verdichte ich diesen auch noch mit einem alten L-förmigen Kartoffelstampfer aus Metall (Milchsäurebakterien mögen Sauerstoff nicht soo besonders). Bei Zimmertemperatur fermentiert das dann wunderbar vor sich hin, und sackt auch soweit in sich zusammen, dass viel mehr reinpasst in den selben Kübel als ohne Milchsäurebakterien. Es stinkt und schimmelt damit auch nix. Hab auch gekochte Hülsenfrüchte-Reste und Fischgräten mit drin gehabt, was ja sonst anfängt zu stinken wie Sau. War aber mit dem Brottrunk behandelt gar kein Problem.

Aufm Komposthaufen draußen hab ich die Silage dann einfach dünn auseinandergezogen und mit etwas fertigem Kompost abgedeckt. Morgen geh ich mal schaun ob sich darin deutlich mehr Regenwürmer tummeln als daneben, wo keine Silage liegt.

Brottrunk kann man theoretisch auch selbermachen - er wird hergestellt aus Biovollkornsauerteigbrot und Wasser; ersteres vermutlich zerbröselt und die Mischung dann warm gestellt bis der pH bei max 4 ist (Messstreifen gibts zb in der Apotheke). Anschließend wird der Matsch wohl filtriert - das ist für unsren Zweck aber nicht nötig, da kann einfach von dem Brotmatsch, so wie er ist nach dem Fermentieren, was in den Biomüllkübel mit rein.

Milchsäurebakterien sitzen sonst auch noch in ROHEM Sauerkrautsaft drin. An den ranzukommen ist allerdings zumindest hier deutlich schwieriger als an Brottrunk oder Sauerteig. Was in Flaschen im Supermarkt und Drogeriemärkten verkauft wird, ist nämlich praktisch alles pasteurisiert (regional mags da Ausnahmen geben, hier ists jedenfalls so), d.h. die Milchsäurebakterien darin wurden totgekocht zwecks längerer Haltbarkeit ohne Kühlung. Wir brauchen sie aber lebendig, sonst nützt das nix.

Darüber hinaus sitzen Milchsäurebakterien auch noch in Wasserkefir und in Kombucha (da gilt das selbe wie beim Sauerkrautsaft, der aus der Flasche vom Super/Drogeriemarkt ist nutzlos). Nur braucht man dafür erstmal ne Starterkultur und muß diese auch alle paar Tage füttern, mit Zuckerwasser+Trockenobst bzw gezuckertem Grün/Schwarztee sowie warm stellen (ne Terraristikheizmatte mit Thermostat tut da gute Dienste). Hab beide hier am Start, wer hier in der Region wohnt, kann nen Ableger haben. Werd dann im nächsten Schritt mal versuchen den Biomüll damit zu fermentieren.

Falls das nicht klappen sollte, werd ich mal wieder nen Roggensauerteig ansetzen (hab schon ewig kein Brot mehr gebacken), dh nen Vollkorn-Roggenmehl+Wasser 1:1 Mix, sicherheitshalber angeimpft mit einem Beutel flüssigem Natursauerteig ausm Supermarkt oder etwas Sauerteig vom Bäcker meines Vertrauens. Den dann einfach bei Zimmertemperatur (nicht zu kalt, sonst schimmelts! Besser zw 20-25°C) regelmässig mit mit Roggenmehl und Wasser füttern (kann man recht dünnflüssig anrühren, wenn man die Mischung nicht auch noch zum Brotbacken nutzen will). Immer was übrig lassen zum Weitervermehren, den Rest kann man dann fürs Fermentieren des Biomülls verwenden.

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